Dienstag, 3. Mai 2011

Menschen, die Rolltreppen benutzen

Ich komme gerade von der U-Bahn-Station, bin ausgestiegen und die Treppen hochgelaufen. Neben mir die meisten Menschen auf der Rolltreppe. Wie alles Schlechte auf dieser Welt sich schon darin manifestiert, dass Menschen Rolltreppen benutzen, die sie nicht brauchen. Menschen, die genau falsch herum denken: Sie denken, dass ihr Tun keine Rolle spielt, wenn es von Bedeutung ist, und dass sie wichtig sind, wenn es auf sie nicht ankommt. Wenn es darum geht, etwas zu tun, was sie nicht tun sollten, sind sie einer von sechs Milliarden, wenn sie etwas nicht tun sollten, das sie tun wollen, der einzige Mensch auf der Welt. Perfekt in der Lage, das Leid auszublenden, das ihre Handlungen verursachen, und auf die Rolltreppe zu stehen. Sie läuft ja sowieso. Dieselben Menschen, die als Erstes schreien, wenn ein Windkraftwerk auf den Hügel vor ihrem Fenster gebaut werden soll, oder die Steuern erhört werden müssen.
Ich war regelrecht angewidert, während ich durch die U-Bahn-Unterführung lief. Beim Aufgang zur Straße habe ich dann die Rolltreppe verwendet.

Samstag, 23. April 2011

System-of-a-Down-Karte abzugeben

Ich habe noch eine Karte für das ausverkaufte System-of-Down-Konzert am 15. Juni in Berlin übrig. Wenn also jemand von euch Lust hat, mich zu diesem Anlass besuchen zu kommen, kann er oder sie mir die Karte gern abkaufen. Sie kostet 55 Euro. Ihr dürft mich dann begleiten ;-)

Wenn also jemand Interesse hat, meldet euch einfach bei mir.

Donnerstag, 14. April 2011

Initiativprinzip

Es gibt an der FU eine besondere Art von studentischen Gruppierungen, die man so an den meisten anderen Unis nicht findet. Das sind die sogenannten Fachschaftsinitiativen (FSI). Dabei schließen sich Studierende aus einem oder mehreren Instituten zusammen und versuchen, die Studiensituation zu verbessern. Die Teilnehmer der "Inis", wie die Fachschatsinitiativen genannt werden, sind nicht gewählt, sondern es kann jeder, der will, mitmachen. Das ist nämlich echte Basisdemokratie, und die ist nach vorherrschender Meinung an der FU tausendmal besser als Repräsentation.

Als ich hier angefangen habe, wurde ich von der sogenannten FSI Mathe/Info begrüßt. Sie lud uns zum Grillen und zu einer Erstsemesterfahrt übers Wochenende ein. Dabei fiel mir sofort eines auf: Die FSI Mathe/Info besteht nur aus Informatikern. So kam bei mir und auch bei einigen anderen schon im ersten Semester die Idee auf, eine eigene FSI für die Mathematik zu gründen. Realisiert wurde dieser Plan schließlich im vergangenen Semester.
Seitdem hat sich schon Einiges getan: Es gibt inzwischen schon einen eigenen FSI-Raum mit Sofas, Go-Brett und Kaffeeautomat, eine Pinnwand, und die Erstsemester, die jetzt angefangen haben, haben wir selbst begrüßt. Wir sind eine erstaunlich produktive Gruppe.
Es gibt aber immer wieder Probleme. Die Inis sind traditionell linke Projekte, und uch bei uns machen einige Leute mit, die zu diesem Spektrum gehören. Andererseits machen aber auch Studirende mit, die die FSI möglichst "unpolitisch" halten wollen, was öfter zu einigermaßen skurrilen Diskussionen führt.
Da wäre zum Beispiel unser Logo: Momentan ist das eine Ente mit Hexenhut und Besen (naja, das ist gewissermaßen eine längere Geschichte...), was auch einstimmig angenommen wurde. Allerdings wollte Arik unbedingt noch einen fünfzackigen roten Stern ins Logo mit aufnehmen, wie ihn viele andere Inis und auch der AStA im Logo haben. Das wiederum war anderen zu viel, man wollte sich nicht so politisch einordnen lassen. Als dann Namensschilder mit unserem Logo für die Erstsemesterveranstaltungen gedruckt wurden, bestand Arik darauf, auf seinem Schild der Ente einen Stern im Hintergrund zu verpassen. Es gab einiges Hin und Her, bis feststand, ob Arik einen Stern auf ein Stück Papier malen darf.

Viele weitere Streitpunkte, die traditionell zwischen linksorientierten und gemäßigteren Studierenden zu Problemen führen, müssen wir in unseren Plena behandeln: Darf ein Frühstück, das wir für die Erstis orgenaisieren, rein vegetarisch sein? Sollen wir in von uns veröffentlichten Texten das _innen verwenden? Bezieht die FSi eine politische Position? Darf für eine Campusrallye ein Preis ausgeschrieben werden - oder ist das schon eine abzulehnende Förderung des Wettbewerbsgedankens?

So ist jedenfalls dafür gesorgt, dass uns der Gesprächsstoff nicht ausgeht. Im Zweifelsfall greift das, was Tobi das Initiativprinzip nennt: Bevor wir lange darüber streiten, wie etwas gemacht wird, macht einfach erstmal jemand. Und der, der sich bereiterklärt hat, die Aufgabe zu übernehmen, erfüllt sie dann so, wie er oder sie es für richtig hält. Und wenn jemand will, dass es anders läuft, muss er eben die Arbeit übernehmen. So steigt jedenfalls die Motivation, auch etwas zu tun.

Montag, 21. Februar 2011

Sozialschmarotzer

Neulich war ich mal wieder bei meinem Lieblings-Falafel-Laden am S-Bahnhof Charlottenburg. Da wird die Falafel (der? die? das? ich weiß es nicht) noch frisch hergestellt, nicht wie in den meisten Dönerbuden, wo nur die fertigen Dinger noch schnell in die Friteuse geworfen werden. Deshalb dauert es auch immer ein bisschen länger, bis sie fertig sind. Als ich reingekommen bin und bestellt habe, hat mir der Besitzer erstmal ein Glas Tee angeboten - so was kennt man sonst von so Fast-Food-Läden auch nicht mehr. Der Besitzer (ich nehme an, dass es der Besitzer ist) des Ladens ist so etwa Mitte Dreißig und, wie das bei solchen Läden zu erwarten ist, offenbar arabischer Abstammung.
Kurz nach mir kommt ein etwas verlottert aussehender junger Mann mit großem Rucksack in den Laden und bittet den Besitzer um etwas zu Essen, "nur ein bisschen Brot vielleicht". Der lehnt ab. Als der Obdachlose das Geschäft wieder verlassen hat, wendet sich der Besitzer mir zu und sagt mit leichtem Akzent: "Hier in Deutschland kriegt jeder Unterstützung." Wenn man sich zusammenreißen würde, könne man damit über die Runden kommen. Er wolle dem Oblachlosen nichts geben, "sonst verlässt er sich auf mich. Und dann schafft er es nie alleine."
Früher, sagt er, habe er auch sein ganzes Geld für Partys ausgegeben. "Aber dann", und hier schwingt ein wenig stolz in seiner Stimme mit, "hab ich mich zusammengerissen."
"Sesam, Knoblauch oder scharf?", fragt er. "Sesam", antworte ich. "Salat - alles?" "Ja." Ich bezahle und verlasse den Laden, und ich denke daran, dass Sarrazin wahrscheinlich noch nie hier Falafel gegessen hat.

Montag, 24. Januar 2011

Küche

Wie jeder weiß, der einmal länger als drei Monate in einer WG gelebt hat, ist die Küche der Dreh- und Angelpunkt, das Lieblingsstreitobjekt und die Sollbruchstelle einer Wohngemeinschaft - besonders wenn man nicht in dem außerordentlichen Luxus lebt, ein gemeinschaftliches Wohnzimmer zu besitzen.
Unsere Küche ist lang und relativ schmal. An der schmalen Seite - sie ist etwa 2,50 Meter lang - befindet sich die Tür, gegenüber ein Fenster zum Innenhof des Wohnkomplexes. Die Wände stehen, wie sich das gehört, rechtwinklig zueinander - fast. Die Fensterseite steht ein wenig schief zu den übrigen Wänden. Wie in allen Räumen in unserer Wohnung ist die Decke hoch - über drei Meter. Auf der langen Seite, die von der Tür aus links liegt, ist eine von der Wand etwa zehn Zentimeter abstehende Verkleidung angebracht, die über die ganze Länge der Wand reicht und etwa zwei Meter hoch ist. Hinter dieser Verkleidung, die wie die ganze Wand weiß gestrichen ist, verlaufen Abwasserrohre, Stromanschlüsse und Ähnliches. Der Boden der Küche ist komplett mit quadratischen Echtsteinplatten ausgelegt, die vor unserem Einzug neu ausgelegt wurden und noch schön frisch glänzen. Als wir die Wohnung gestrichen haben, haben wir der Küche einen weißen Anstrich verpasst; nur die Türwand und ein Stück der Wand rechts daneben ist schwarz geworden (wir wollten schon immer mal eine Wand schwarz streichen). Nach oben und zur rechten Seite geht das Schwarz mit unregelmäßigen Zacken in weiß über, nur in der linken Ecke endet es mit einem sauberen Strich.
Zum Zeitpunkt unseres Einzugs stand die Küche komplett leer. Das erste Möbelstück, das wir darin unterbrachten, war ein gebrauchter Kühlschrank, den Jenny aufgetrieben hatte. Als wir mit dem Streichen fertig waren, ließ unser Vermieter eine Spüle und einen Elektroherd einbauen. Da Jenny zum Umzug ungefähr fünfzig verschiedene Möbelstücke geschenkt bekommen hatte, die irgendwelche Verwandten von ihr noch übrig hatten (ihr ganzer erweiterter Familienkreis wohnt anscheinend in Berlin), packten wir die Küche recht schnell voll mit einer klobigen Holzkommode, einem schmalen, hohen Schrank, einem älteren hölzernen Sideboard, einem blaßgelben Tisch und vier Holzstühlen mit Seidenpolster made in DDR.
Die linke Wand mit der Verkleidung war dabei unsere "Küchenzeile": hier standen von der Tür beginnend die Kommode, der Kühlschrank, der Herd und die Spüle. Die Wand gegenüber nahm das Sideboard ein. Der andere Schrank stand in der hinteren stumpfen Ecke; hier verstauten wir die Lebensmittel, die nicht gekühlt werden mussten. Der Tisch stand (zusammen mit den Stühlen, versteht sich) am Fenster.
Von Anfang an bestanden Jana und Jenny darauf, dass wir uns früher oder später eine Spülmaschine zulegen. Ich, der schon ein Jahr ohne so etwas gelebt hatte, verspürte kein allzu großes Bedürfnis, dafür Geld auszugeben, aber mein Instinkt riet mir, trotzdem in den Kauf einzuwilligen. Es dauerte dann eine ganze Weile, bis jemand tatsächlich dazu kam, ein solches Gerät zu kaufen, denn zwar hatte ich zugestimmt, mitzubezahlen, aber meine Motivation, mich um die Beschaffung zu kümmern, war doch eher gering.
Wir mussten die ersten Monate also wohl oder übel ohne dieses moderne technische Equipment auskommen. Das führte regelmäßig zu der Frage, die wohl in jeder Mehrpersonenwohnung ohne Spülmaschine mindestens einmal am Tag aufkommt: Wer spült ab?
Jetzt war es so, dass Jana aus nicht näher bestimmten Gründen - ein Kindheitstrauma nicht ausgeschlossen - eine tiefe Antipathie gegen das Abspülen hegte. Sobald die genannte Frage aufkam, bot sich Jana an, irgendeine andere Aufgabe, die gerade anfiel oder die sie sich spontan selbst ausdachte, zu übernehmen, und so blieben meistens Jenny und ich auf dem dreckigen Geschirr sitzen (eine immer wieder vorkommende Ausnahme war es, wenn Jana Besuch hatte - ihren Freund, Tom oder alte Bekannte - dann verdonnerte sie kurzerhand diese dazu, ihren Part zu übernehmen). In der Anfangszeit spülten also wir beide ab, wobei ich den Eindruck hatte, es ein bisschen öfter zu machen als Jenny, was sie natürlich sofort bestreiten würde. Mit der Zeit gelang es Jana zum Glück immer besser, ihre Spülphobie zu überwinden, sodass ich mir schon Hoffnungen machte, wir könnten auf die Spülmaschine verzichten.
Ein besonderes und regelmäßig wiederkehrendes Ereignis war es, wenn Jenny beschloss, ein paar Freunde/Bekannte einzuladen und eine Party zu feiern. Anlässe fand und findet sie dafür immer: Einweihungsparty, ihren Geburtstag, das Nachfeiern ihres Geburtstag, das Feiern ihres Geburtstags mit der Familie, das Nachfeiern von Weihnachten mit Freunden... Bei all diesen Anlässen, die meistens freitag- oder samstagabends stattfinden, ergab es sich zufällig, dass Jenny am nächsten Tag nachmittags irgendeinen mehr oder weniger wichtigen Termin hatte; und da sie (obwohl sie sich natürlich immer Besseres vornimmt) nach so einer Party meistens bis mindestens 14 Uhr schläft, kam sie nie dazu, die Küche an diesem Tag noch aufzuräumen. Und da Jenny leidenschaftlich gern auch für zwanzig Gäste und mehr kocht, sah die Küche oft mehrere Tage lang aus wie ein Schlachtfeld.
Diese Umstände sorgten, man kann es sich schon denken, für wiederkehrende kleine Streitigkeiten und spitze Bemerkungen. Hinzu kam immer die prekäre Müllsituation in der WG: Die ersten Monate bekamen wir es nicht auf die Reihe, einen oder mehrere Mülleimer zu kaufen und daher wurde immer aller Müll in einer Tüte in der Küche gesammelt, die dort, bis sie voll war, oft mehrere Tage stand und daher - da es ja keine Möglichkeit zur Mülltrennung gab und somit auch der Biomüll dort entsorgt werden musste - manchmal schon anfing durchzusuppen, wenn wir endlich dazu kamen, sie nach draußen zum Mülleimer zu bringen.
Im neuen Jahr, so beschlossen wir, sollte sich all das ändern: Nicht nur, dass wir einen wöchentlichen WG-Putztag einführten (Freitag), Jana kam auch endlich dazu, eine Spülmaschine zu bestellen. Dieser Schritt machte aber einige Umstellungen nötig, denn zwischen Spüle und Tisch, wo das Gerät angebracht werden musste, war nicht genügen Platz. Jana nahm dies zum Anlass, eine große Umräumaktion zu starten und im Zuge dessen das Sideboard, das ihr ohnehin noch nie gefallen hatte, aus der Küche zu verbannen. Das machte natürlich die Schaffung von neuen Lagerkapazitäten notwendig und daher zogen wir am Wochenende los, um drei Regalbretter und eine Arbeitsplatte für die Küche zu besorgen. Die Kommode, so unser Plan (der vor allem Janas Plan war), sollte in die Ecke, wo bis jetzt der Schrank stand, der Schrank dafür rechts neben die Tür. Den freiwerdenden PLatz von der Kommode wollten wir nutzen, um den Kühlschrank in die Ecke zu schieben und die Arbeitsplatte dann zwischen Kühlschrank und Herd anzubringen. Der Tisch sollte an die Wand, wo bis jetzt das Sideboard stand, wandern und so den Platz für die Spülmaschine freimachen. Die Bretter wollten wir an der Wand über dem Tisch befestigen.
Voller Tatendrang machten wir uns - das heißt bei handwerklichen Tätigkeiten vor Allem ich mich - ans Werk. Die Arbeitsplatte bereitete uns schon das erste Problem: Sie sollte an der Wand festmontiert werden. Was wir nicht bedacht hatten, war, dass ja vor der Wand die Verkleidung war, und die konnte mit ihrer Dicke von vielleicht einem Zentimeter keine Dübel halten. Es war also nötig, in einem Akt des groben Vandalismus Löcher in die Verkleidung zu schlagen, um in die Wand dahinter bohren zu können.
Nicht weniger schwierig gestaltete sich die Anbringung der Bretter. Das erste ließ sich zwar tadellos montieren, auch bei den beiden anderen schien es zuerst gut zu klappen; jedoch gaben sie dann bie der geringsten Belastung wieder nach: die Schrauben wurden samt Dübeln wieder aus der Wand gezogen und das Brett kippte nach unten, nicht ohne einen Teil der Gewürze, die wir schon darauf gestellt hatten, auf dem Boden zu verstreuen und der ganzen Küchenluft ein würziges Aroma zu verpassen.
Letztendlich gelang es uns (das heißt wieder vor Allem mir), die Bretter mit etwas Einfallsreichtum und Montagekleber an der Wand zu halten; die Aktion Küche umräumen ist erfolgreich abgeschlossen. Was immer noch fehlt, ist die Spülmaschine. Aber wäre ja auch zu einfach, wenn so schnell alles geklappt hätte.

Sonntag, 23. Januar 2011

Wie die CSU Werbung macht

Es hat nichts mit der eigentlichen Idee dieses Blogs zu tun, aber dieses Video möchte ich niemandem vorenthalten:

Dienstag, 18. Januar 2011

Ein Berliner werden

Es gibt noch andere Leute, die hier nach Berlin gezogen sind ud in so einem Blog über das Leben hier schreiben. Einer von ihnen kann das viel besser als ich, deshalb möchte ich hier mal auf dieses Blog verweisen:

http://www.ichwerdeeinberliner.com/

Viel Spaß damit!

Freitag, 14. Januar 2011

FU wählt linke Mehrheit

Eine kleine Sen­sa­tion bei der Wahl des Aka­de­mi­schen Senats: Die Liste „Exzel­lenz und Trans­pa­renz“ um Ex-Präsidentschaftsbewerber Raúl Rojas zieht als erste neue pro­fes­so­rale Liste seit 1979 in das Gre­mium ein. Stu­die­rende hof­fen nun auf eine linke Mehr­heit.

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Samstag, 4. Dezember 2010

Kleine WG-Chronik

Freitag, 8. Oktober:

Wir sind stolze Besitzer eines Wohnungsschlüssels. Unser neues Heim liegt in Charlottenburg und ist kahl, als wir es betreten: Die Wände sind untapeziert, Herd und Spüle noch nicht eingebaut, auch sonst sind noch keine Möbel vorhanden. Zum Glück ist wenigstens das Bad voll funktionstüchtig.
Jana ist mit einem gemieteten Auto von Frankfurt gekommen und hat zwei Leute mitgebracht, ihren Freund Max und noch einen anderen Bekannten. Wir unternehmen einen Ausflug zu Ikea und kaufen erste Möbel, die wir natürlich noch nicht aufbauen können.

Montag, 11. Oktober:

Im größten Zimmer, das später Jenny gehören soll, haben wir ein Matrazenlager eingerichtet. Wir bestellen Internet bei 1und1.

Dienstag, 12. Oktober:

Jenny hat einen Bekannten aufgetrieben, der sich bereiterklärt, für wenig Geld bei uns zu tapezieren. Er kann leider nur am Wochenende und wird zwei Wochenenden brauchen, bis er mit der ganzen Wohnung fertig ist.

Mittwoch, 13. Oktober:

Ich fahre noch für ein paar Tge nach Neuhausen, bevor das Semester wieder anfängt.

Sonntag, 17. Oktober:

Abends komme ich wieder in Berlin an. Die Tapete in Jennys Zimmer ist dran, in Janas teilweise. Küche ist auch schon fertig.

Montag, 18. Oktober:

Die Uni geht los, für meine Mitbewohnerinnen der erste Tag in der Uni.

Sonntag, 24. Oktober:

Der Rest der Wohnung wird tapeziert. Ich habe ein paar Leute zum Streichen eingeladen, Jana wollte auch mitmachen, bleibt aber bis abends verschwunden. Dann taucht sie mit einem Menschen namens Tom abends auf, den sie auf dem Flohmarkt getroffen hat und der wirkt, als hätte er irgendwelche Drogen eingeworfen. Tom bleibt über Nacht.

Freitag, 29. Oktober:

Ich habe mir ein Auto gemietet, um noch einige Dinge einzukaufen. Ich fahre zum ersten Mal in Berlin Auto und kaufe eine Matraze und diverse Möbel ein. Am Abend treffen Janas Freund und der andere Bekannte, der schon einmal da war, wieder ein; sie alle gehen am Abend auf ein Konzert.

Samstag, 30. Oktober:

Der Tag ist fürs Möbel Aufbauen reserviert, Jenny hat noch einige Freunde und Freundinnen zur Mithilfe eingeladen. Tom kommt vorbei und verschwindet wieder, offensichtlich eifersüchtig auf Max. als die Möbel aufgebaut sind, sieht unsere WG schon einigermaßen wohnlich aus.

Anfang November:

Wir erledigen einige kleinere Arbeiten und setzen den Termin für die WG-Einweihungsprty auf den 19. 11. fest. Tom kommt uns immer wieder besuchen, bis Jana, schon eine ganze Zeit lang vom ihm genervt, ihn rausschmeißt. 1und1 schickt einen Brief: Sie entschuldigen sich für die Verzögerung.

Donnerstag, 11. November:

Bei der Spüle, die vor zwei Wochen eingebaut worden ist, bricht das Abwasserrohr ab, die Küche steht unter Wasser. Der Handwerker wird sofort herbestellt. 1und1 schickt wieder einen Brief: Selber Inhalt wie beim letzten Mal.

Freitag, 12. November:

Linda ist übers Wochenende zu Besuch und ich halte mir die Tage frei von WG-Organisationsterminen.

Samstag, 13. Oktober:

Am Abend lade ich zum ersten Mal Leute meine Wohnung ein (nicht zum Arbeiten): Wir veranstalten einen Spieleabend und feiern in Lindas Geburtstag rein. Am selben Abend kommt Jenny mit einem Kommilitonen von mir zusammen.

Freitag, 19. November:

Wir weihen unsere WG endlich ein. Den Tag nutzen wir, um die Wohnung endlich einmal sauber zu bekommen. Am Abend steigt dann die Party. Ich fühle mich zuhause.

Dienstag, 23. November:

Jana entdeckt, dass sie Läuse hat. Daraufhin überprüfen auch Jenny und ich unsere Haare: Alles verlaust.

Mittwoch, 24. November:

Wir schmieren uns großzügig Entlausungsmittel in die Haare und halten fürs erste einen Sicherheitsabstand von allen anderen.

Freitag, 26. November:

Wir bekommen tatsächlich endlich einen Termin von 1und1. Der Techniker kommt am 6. 12. zwischen 8 und 16 Uhr. Es soll bitte die ganze Zeit über jemand anwesend sein.

Freitag, 3. Dezember:

Projekt WG-Gründung abgeschlossen. Alles Durcheinander, das gemeinsame Einrichten der Wohnung hat uns zusammengeschweißt. Wir kochen, spielen, reden abends zusammen und verstehen uns insgesamt sehr gut. Die lange Suche, das wochenlange provisoische Wohnen, die ganzen Unannehmlichkeiten haben sich letztendlich ausgezahlt. Wenn wir jetzt noch endlich unser Internet hätten...

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Ohne Netz

Eigentlich will ich dieses Blog ja wieder einigermaßen auf Vordermann bringen, aber jetzt werde ich schon wieder davon abgehalten...
Da ich ja neulich erst umgezogen bin, habe ich in meiner Wohnung derzeit noch kein Internet. Seht es mir also bitte nach, wenn ich in den nächsten Wochen nicht allzuviel posten kann, das WLAN ist schon bestellt.

Dienstag, 5. Oktober 2010

Berlin in Stuttgart, Stuttgart in Berlin

Ein Thema, das mich und die gesamte deutsche Medienlandschaft in den letzten Wochen sehr beschäftigt hat, soll hier auch noch angesprochen werden: Stuttgart 21. Ich weiß, ich weiß, in diesem Blog sollte ich euch eigentlich von Berlin erzählen und nicht von den Dingen, von denen ihr wahrscheinlich schon die Nase bis obenhin voll habt, aber in diesem Fall lassen sich die beiden Bereiche einfach zu gut vermischen, um das Thema links liegen zu lassen.

Berlin in Stuttgart

Fast täglich finden Demonstrationen statt, die Polizei geht mit Wasserwerfern und Pfefferspray großflächig um, die Grünen lassen in Umfragen die SPD hinter sich: So ist Berlin. Nach einem Jahr, das ich hier verbracht habe, bin ich diese Zustände im Großen und Ganzen gewohnt. Berlin, dachte ich, hat eben diese breite alternative Szene und es treiben sich hier eben einige gewaltbereite Autonome herum (solche Leute können im Übrigen auch ganz nett sein), und die Polizei greift da eben schon mal schneller zu harten Mitteln. Es ist eben Berlin, und nicht, sagen wir, Stuttgart. Und was muss ich jetzt erleben? Berlin ist zwar nicht Stuttgart, aber scheinbar wird Stuttgart zu Berlin. Alle Menschen, die in Stuttgart jetzt nicht so recht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen, haben mein Verständnis, denn auch ich hab ja ein wenig Zeit gebraucht, um mich an so ein Umfeld zu gewöhnen. Ich persönlich finde das schon etwas gemein: Da zieht man extra der Demonstrationskultur wegen nach Berlin, und dann sowas.

Stuttgart in Berlin

Am Wochenende ist dann auch Stuttgart in Berlin angekommen. Nach dem gewaltsamen Vorgehen der Polizei fand am Freitagabend eine Demonstration vor dem DB-Tower am Potsdamer Platz statt, wo unter Anderem Claudia Roth (Grüne) anklagende Worte an die Verantwortlichen in Stuttgart, aber auch an Angela Merkel richtete. Auf dieser Demo traf ich Tobi und Jenny, zwei Menschen, die vermutlich, wenn überhaupt, erst ein-, zweimal in ihrem Leben überhaupt in Stuttgart waren und bisher nicht viel mehr über das Projekt Stuttgart 21 wussten als das, was ich ihnen ab ud zu erzählte. Trotzdem war es nicht ich, der die beiden zur Demo geschleppt hat, nein, vielmehr hat Jenny mich überhaupt erst davon informiert, dass sie stattfindet. Mit etwa 1000 Menschen zogen wir dann zur baden-württembergischen Vertretung. Tatsächlich erfahren die Schwaben jetzt sogar aus Berlin Solidarität, obwohl sie hier üblicherweise nicht sonderlich beliebt sind. (Wie heißt es in einem Lied: "Weihnachten ist es so schön in Berlin, weil alle Schwaben nach Hause gehn")

Samstag, 2. Oktober 2010

There's no place like home

Dieses Blog ist zugegebenermaßen in den letzten Wochen etwas eingeschlafen, und deshalb werde ich mal versuchen, in den nächsten Tagen über alle wichtigen Dinge zu berichten, die ich in der Zwischenzeit in Berlin erlebt habe. Heute beginnen wir mit meiner Hauptbeschäftigung diesen Sommer: Der Wohnungssuche.

Berlin zur WG-Jagdsaison

Jedes Jahr im Sommer spielen tausende Studentinnen und Studenten in Berlin ein lustiges Spiel. Vom Prinzip her funktioniert es in etwa wie Reise nach Jerusalem, nur die Regeln sind etws komplizierter: Während man bei ersterem schon zufrieden sein kann, wenn man einen Platz ergattert hat, ist bei "Reise nach Berlin" die Qualität der freien Plätze unterschiedlich; unter Umständen kann man, selbst wenn man es geschafft hat, sich zu setzen, schlechter dran sein als die, die sich keinen Platz geholt haben.
Diesen Sommer habe auch ich mal an dem Spiel teilgenommen. Es wird im Internet über die Homepage wg-gesucht.de breitflächig organisiert. Ich habe mich also im Lauf des Sommers auf an die 50 WGs beworben; meistens soll man dafür einen kurzen Text schreiben, in dem man "ein bisschen was über sich erzählt". Nachdem man also eine Zeit lang darüber gegrübelt hat, wie man sich wohl am besten von seiner Schokoladenseite darstellen kann, beginnt das Warten: oft schreiben die potenziellen zukünftigen Mitbewohner erst nach mehreren Wochen zurück, wenn sie überhaupt zurückschreiben (eine Bewerbung, die durchgefallen ist, wird eigentlich grundsätzlich nicht beantwortet). In acht Fällen hatte ich schließlich das Glück, eingeladen zu werden. Die Meisten lassen ihre Bewerber einzeln kommen, und dann folgt das typische Gespräch: Und was machst du so? Ah, Mathe? Oh Gott. Ists schwierig? Ja, dacht ich mir. Und was hast du so für Hobbys? Zeitung? Ist ja cool. Rauchst du? Gut. Sonst noch was Wichtiges? Vegetarier? Nee, das ist natürlich kein Problem. Okay, danke, dass du da warst, wir melden uns.
Nachdem alle acht Gespräche ohne positive Rückmeldung zu Ende gegangen sind, musste ich mich langsam auch in andere Richtungen umschauen.

"Vegetarier_innen/Veganer_innen gesucht!"

Gegen Anfang September ging die Anzahl der WG-Zimmer-Angebote langsam zurück. Dafür wurden immer mehr Angebote eingestellt deren Text sich ungefähr so las: "Hey, bist du frustriert von der WG-Suche? Also ich schon, deshalb hab ich beschlossen, einfach selbst ne neue WG zu gründen. Wenn du Lust hast, mit mir zusammenzuziehen, melde dich einfach und dann schauen wir mal."
Am Anfang habe ich solche Angebote gleich übersrpungen, denn sie klangen nach viel Anstrengung: erst ein Casting durchlaufen, dann eine Wohnung suchen und die schließlich noch selbst ganz neu einrichten. Da war es mir doch lieber einfach in eine bereits bestehende WG einzuziehen. Als aber die WG-Plätze immer weniger wurden und die Zeit immer knapper (denn ich hatte zum 30. September gekündigt), musste ich langsam auch diese Möglichkeiten ausschöpfen. So lernte ich schließlich Jenny und Jana kennen. Wir waren recht schnell der Meinung, ganz gut zueinander zu passen, und machten uns auf die Suche nach einer Wohnung, was sich als nur geringfügig einfacher herausstellte als die vorausgegangene Suche nach einem WG-Zimmer. Einerseits werden bei der Bewerbung auf eine WOhnung in Belrin zig Unterlagen verlangt, die noch keiner von uns besorgt hatte, andererseits war der Andrang auf die Wohnungen beinahe so groß wie zuvor auf die WGs; der einzige Unterschied war, dass sich die Kriterien geändert hatten, nach denen ausgesucht wurde. Nach zwei erfolglosen Bewerbungen und wenige Tage vorm 30. September trat dann plötzlich eine Art Deus ex Machina auf: Die Eltern eines Nachhilfeschülers von Jenny waren in der Wohnungsvermietung tätig und erklärten, sie hätte eine Wohnung für uns zur Verfügung. Dann ging alles schnell: Wir schauten uns die Wohnung an, entschieden uns, dass wir sie nehmen würden, und bekamen kurze Zeit später das Okay des Eigentümers. Am Montag werden wir den Mietvertrag unterschreiben und die Schlüssel erhalten, so lange verbringe ich meine Nächte bei Freunden, da ich aus meinem alten Zimmer schon ausziehen musste.

Freitag, 1. Oktober 2010

Rückkehr aus der Sommerpause

Ich weiß, ich hab viel, viel zu lange nicht gepostet, und ich schäme mich auch ein bisschen. Jetzt, wo das neue Semester angefngen hat, nehme ich mir aber vor, wieder regelmäßig was zu schreiben. Also schaut ab und zu vorbei...

Samstag, 10. Juli 2010

Opportunisten wie wir

Es war einmal, im November 2009: Die deutschsprachige Universitätslandschaft erfasst eine Welle des Protests. Für Tage, fast Wochen richtet sich die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Hochschulen. Der große Erfolg der Studierenden ist zum Greifen nahe. Scheinbar. Denn im Juli 2010 zeigt sich ein ganz anderes Bild. Der groß angekündigte Bologna-Gipfel blieb ohne Ergebnisse, die Bildungsstreik-Demonstration eine Randnotiz in den Zeitungen, die Protestatmosphäre ist verflogen. Statt zu einer Siegesfeier rufen die ASten der FU, TU und HU diesen Dienstag zum Krisengipfel: „Ausgebrannt? Perspektiven und Utopien nach dem Uni-Streik“ ist der vielsagende Titel der Veranstaltung. Selbst der Runde Tisch, der vielen als größte Errungenschaft des Bildungsstreiks gilt, muss mangels Beteiligung über seine Auflösung nachdenken. Was ist passiert?

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Montag, 5. Juli 2010

Spendenskandale an der Eliteuni

So, diesmal hat sich ein Kollege von der ZEIT (zu langer Umgang in journalistischem Milieu mündet in einem Hang zur Selbstüberschätzung) um die neuesten Nachrichten von der FU gekümmert. Wie mit dem Bildungsetat hierzulande umgegangen wird, könnt ihr hier nachlesen. Natürlich hat aber auch die FURIOS etwas zu den Vorfällen zu sagen.

Donnerstag, 1. Juli 2010

Über Toiletten

Hallo zusammen!
Heute beglücke ich euch mit einer E-Mail-Schlacht, die über den Verteiler des Fachbereichs Mathematik/Informatik ausgetragen wurde und die ich euch nicht vorenthalten möchte. Viel Spaß beim Lesen!

Von: H., Alfred (Hausmeister)
An: all-replies@math.fu-berlin.de
Betreff: Toiletten

Liebe Fachbereichsangehörige,

aus gegebenen Anlass möchte ich darauf hinweisen, dass die Toiletten doch bitte so benutzt werden, wie es in unserer Kultur üblich ist. Auf den Damentoiletten haben wir seit geraumer Zeit leider feststellen müssen, das es Mitmenschen gibt, die sich mit ihren Straßenschuhen auf die Toilettenbrille stellen, um ihr Geschäft zu verrichten. Das ist für die nachfolgenden Damen sehr unangenehm sich dann hier drauf zu setzten.

Bitte teilen sie dies auch ihren nicht deutsch sprechenden Mitarbeitern, Kollegen und Studenten mit.

Mit freundlichen Grüßen

Alfred H.

Von: H., Hannes
An: all-replies@math.fu-berlin.de
Betreff: Re: Toiletten

Lieber Herr H. and andere Lesende,

ich bin zwar in den Gebiet nicht so bewandert, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Leute aus „kultureller Unkenntnis“ *auf* die Toilette draufstellen.
Wenn Sie das so schreiben und dann nochmal explizit Nicht-Herkunftsdeutsche als Zielgruppe der E-Mail hervorheben, unterstellen Sie, dass Ausländer entweder kulturlos, unhygienisch oder einfach zu blöd sind um eine Toilette zu benutzen.

Ich weiß nicht, ob Sie das so gemeint haben, aber es reproduziert in hohem Maße verbreitete Vorurteile und trägt m.E. nicht dazu bei, dass sich "Ausländer" an unserem FB wohlfühlen.

Ich würde mich freuen, wenn Sie das geraderücken können.

Vielen Dank,
Mit freundlichen Grüßen,
Hannes H.


Von: L., Marcus
An: all-replies@math.fu-berlin.de
Betreff: RE: Toiletten

Lieber Hannes,
bevor wir hier mit Vorwürfen der Ausländerfeindlichkeit um uns werfen könnte eine kurze Recherche über das eigene Unvermögen hinweghelfen! Sieh bitte hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Hocktoilette

Ich findes es prinzipiell sehr gut, dass Herr Heimann niemanden beschuldigen wollte mit Absicht derart die Toiletten zu missbrauchen. Er hat eher versucht nachvollziehbare Gründe zu suchen. Ich bin mir sicher Herr Heimann muss Dinge sehe und ertragen, die sich für Wunschelitestudenten nicht gehören und trotzdem versucht er immer die Vernunft hinter den Aktionen zu suchen. Das sollte mal anerkannt werden, anstatt es ihm mit sehr harten Vorwürfen zu danken, die hier nicht angebracht sind!


Gruß,
Marcus


Von: E., Georg
An: all-replies@math.fu-berlin.de
Betreff: Re: dreckige Toiletten

Yo Hannes,

mach doch Du mal die Toiletten sauber, anstatt hier rumzusülzen und den politisch oberkorrekten Lehrmeister in Sachen gesellschaftlichem Umgang raushängen zu lassen.

Georg


entfernt


Von: F., Danielle
An: all-replies@math.fu-berlin.de
Betreff: Re: Toiletten

Sehr geehrte Damen und Herren, Hausmeister Alfred Heimann,

ich bedanke mich für die Mail von Herrn Hannes, da ich nach Lesen der Rundmail von Hausmeister Alfred Heimann von dem diskriminierenden Tonfall sehr schockiert war. Inhaltlich wollte ich nur beisteuern, dass die Damentoiletten seit meinem ersten Besuch dort nicht nur von einem athemberaubenden Gestank gekennzeichtet waren, sondern auch sonst in einem desolaten Zustand waren. Da die Toiletten offensichtlich undicht sind und die Fäkalien am unteren Rand der Schüssel nach außen treten, stand ich mehr als einmal in einer Urinlache. Dies kann man sicherlich nicht den nicht deutschsprachigen Kollegeinnen und Studentinnen zuschreiben. Bisher habe ich von Beschwerden abgesehen, da mir die teilweise sehr unangenehmen Seiten des Jobs von Hausmeister Alfred Heimann durchaus bewusst sind. Dies ist keine Entschuldigung dafür sich in einer Rundmail derart im Ton zu vergreifen. Es ist sehr bedauerlich, dass diese Problematik nicht sachlich und neutral angesprochen werden kann.

Mit freundliche Grüßen Danielle F.


Von: P., Angelika
An: all-replies@math.fu-berlin.de
Betreff: WG: Toiletten

Sehr geehrter Herr Hauswedell,

wir alle kennen Herrn Heimann - Ihre Annahme ist völlig falsch. Leider erzeugten Sie jedoch gerade den Anschein, als zitierten Sie Herrn Heimann, indem Sie das Wort "Ausländer" einfügten: Nicht alle scrollen soweit herunter, um zu überprüfen, ob Herr Heimann diesen Begriff gebraucht hat:
Herr Heimann hat diesen Begriff NICHT verwandt.
Die Wortwahl - Zitat aus Herrn Heimanns E-Mail unten - : "nicht Deutsch sprechenden" Mitarb. etc. ist nicht nur NICHT identisch mit - Zitat aus Ihrer E-Mail - ""Ausländer"". Sie enthält vielmehr die Bitte alle Menschen gleichermaßen zu informieren egal welcher Herkunft.

Der Begriff Kultur kam bei mir so an, dass wir einheimischen Damen - falls wir 'es' denn gewesen sein sollten ... - uns mal ordentlich zu schämen hätten, unseren Mitmenschen inclusive unserer Gäste so ein dreckiges Klo zu hinterlassen.

Na ja, so erreicht wohl Jede und Jeden eine Variation Ihrer gewiss auch wohlmeinend geäußerten Botschaft.

Hoffentlich landen wir alle - ungeachtet unserer Herkunft - dennoch bald wieder möglichst sanft auf dem Boden des realen Miteinanders.

Mit herzlichen Grüßen
Angelika P.

Freie Universität Berlin
Fachbereich Mathematik und Informatik


Von: S., Enrico
An: all-replies@math.fu-berlin.de
Betreff: Re: Toiletten

Hallo an alle Diskussionwilligen,

würdet ihr die Diskussion bitte nicht über den Mailverteiler führen. Dieser
unsägliche Spam nervt!

Viele Grüße
Enrico


Von: R., Knut
An: all-replies@math.fu-berlin.de
Betreff: Re: Toiletten

Liebe FB-Angehörige (FB=Fachbereich, Anm. d. Red.),

Herr Heinemann hat offensichtlich darum gebeten, seine in Deutsch formulierte Mail "auch" nicht-deutschsprachigen FB Mitgliedern zur Kenntnis zugeben (da dies sie in Deutsch ja nicht lesen können).

Ansonsten hat er "Mitmenschen" angesprochen.

Wer noch weitere Interpretationen, Gegendarstellungen etc. hat, möge das doch bitte NICHT mehr über "all" machen.

Gruß,

Knut R.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Unter Journalisten

Ein Thema, das ich hier dringend noch ansprechen will, ist die neu erschienene Sommersemester-Ausgabe unseres Campusmagazins FURIOS, die jetzt auch online zu begutachten ist. Nach einigen anstrengenden Tagen und Wochen ist die Schubzeit jetzt endlich vorbei und ich kann mit dem nötigen Abstand mein Urteil über die Entstehungsgeschichte des Hefts bilden.

Die gedruckten Ausgaben der FURIOS sollen etwas Besonderes sein, sich abheben von dem, was online erscheint. Gründlicher recherchiert, genauer redigiert und schöner illustriert sollen die Artikel sein. (Dieses wunderbare Trikolon zeugt davon, dass ich auch schon in journalistische Standardmuster verfalle.)Natürlich steckt deshalb auch deutlich mehr Arbeit dahinter. Für diejenigen von uns, die nach der Uni-Zeit ihr Geld mit dem Schreiben verdienen wollen, sind die Printausgaben schon so etwas wie eine Bewerbung.
So wird in der Entstehung auch mit teils harten Bandagen gekämpft. Artikel, die der Qualitätsprüfung der Chefredaktion nicht standhalten, werden umgeschrieben oder in besonders schlimmen Fällen sogar ganz gestrichen. Auf den Sitzungen der Chefredaktion soll es deswegen schon zu Tränen gekommen sein, manche Autoren haben die Zeitung gekränkt verlassen. Eine besonders rigide Linie fährt die ehemalige Chefredakteurin Claudia, die Texte gerne mal als "wie von einem Fünftklässler geschrieben" abkanzelt.
Man muss zur Entlastung der Betroffenen aber auch anmerken, dass besonders die Leute in der Schlussredaktion unter enormem Druck stehen, gerade weil dies für viele die erste Ausgabe ist, die sie in leitender Position mitgestalten.
Ich muss zugeben, dass ich nicht hundertprozentig glücklich bin mit ihrer Arbeit. Insgesamt ist der Artikel, den Tobi und ich geschrieben haben, schön und gut lesbar geworden, aber er wurde uns nicht noch einmal vorgelegt, nachdem er redigiert worden ist, und so kommt es, dass falsche Informationen drinstehen.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle klarstellen: Der Anfang des Artikels stammt so nicht von mir. Weder saßen die Bildungsstreik-Aktivisten in Sesseln, noch rauchten sie. Und den Bildungsstreik als "chronisch krank" zu bezeichnen geht an der Realität eher vorbei. Ich wünsche euch trotzdem viel Spaß beim Lesen. Der Rest des Artikels gefällt mir nämlich durchaus.

[zum Artikel]

Fußball, natürlich

Es ist wohl kaum zu vermeiden, an dieser Stelle ein paar Worte über die aktuelle Fußball-WM zu verlieren. Aber ich will euch nicht mit meinen Eindrücken von den Spielen oder meinen Tipps für die Sieger langweilen (nach der Niederlage gegen Brasilien sieht es für Nordkorea ohnehin nicht mehr so gut aus), sondern euch lieber einen kleinen Eindruck vermitteln vom Berliner WM-Gefühl.

Am Sonntag bin ich ja gerade noch rechtzeitig wieder in Berlin angekommen, um mir das erste Deutschlandspiel anzuschauen. Ich bin mit ein paar Kommilitonen losgezogen Richtung Mehringdamm, Kreuzberg, um dort irgendwo ein nettes Plätzchen zum Fußball schauen zu finden.
Man muss dafür definitiv nicht lange suchen. So ziemlich jedes Café, jede Bar und jedes Restaurant ist mit großen Flachbildfernsehern ausgerüstet; man hätte vermutlich auch einfach die Straße entlang gehen können und hätte keine wichtige Szene des Spiels verpasst. Wir haben versucht, in einen Public-Viewing-Bereich hineinzukommen, aber der war leider schon voll, und so haben wir uns in eine gegenüber liegende Bar zurückgezogen.
Die Stimmung war verständlicherweise gut, getrübt nur durch einige Übermütige, die nach jedem Tor mit Böllern um sich warfen, die nach dem Sprengstoffgesetz in Deutschland sicherlich verboten waren. Damit muss man wohl rechnen, wenn man sich in einem Stadtteil wie Kreuzberg bewegt.
Als dann das Spiel zu Ende war und die Autocorsos sich in Bewegung setzten, war ich einigermaßen froh, etwas außerhalb zu wohnen. Im Zentrum Berlins hätte man vermutlich nicht so leicht Schlaf gefunden.

Seitdem ist natürlich überall WM. Man schaut die Spiele, wenn man gerade in der Uni ist, am besten in der Luise, einem Restaurant in Dahlem, das sich besonders üppig mit Flachbildschirmen eingedeckt hat. Ansonsten finden sich auch immer wieder Leute am Mathe-Institut, die die Spiele mit dem Beamer an die Wand unserer so genannten "Pi-Lounge" werfen.
Natürlich gibt es dann auch noch die ganz große Bühne: mit dem letzten Vorrundenspiel der Deutschen wird die große Fanmeile vorm Brandenburger Tor eröffnet werden. Ich bin gespannt darauf.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Ein Theaterstück für Bologna

Am Montag fand die lang angekündigte Bolognakonferenz statt. Auf ihr wollte Bildungsministerin Anette Schavan über Verbesserungen im Bachelor/Master-System diskutieren, doch leider geriet das Event zur Schmierenkomödie. Eine Zusammenfassung von Max Krause.

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Mittwoch, 28. April 2010

Fahrradlos in Berlin

Es ist so eine Sache mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie sind hier ja, das muss man sagen, recht häufig pünktlich (wenn man von der S-Bahn absieht, aber das ist eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt werden wird). Aber je öfter sie pünktlich sind, desto mehr gewöhnt man sich an die Pünktlichkeit, und desto härter trifft es einen, wenn sie eben doch unpünktlich sind. Es ist einfach nicht gut, auf etwas angewiesen zu sein, auf das man sich nicht komplett verlassen kann.
Als hier die ersten wärmeren Tage angebrochen sind, bin ich deshalb umgestiegen, aufs Fahrrad. Eine halbe Stunde in die Uni, eine halbe Stunde wieder zurück. Nach ein paar Tagen konnte ich auf wenige Minuten genau planen, wann ich an der Uni war; das ist mit Bus und Bahn unvorstellbar. Dazu kommt, dass die Weg mit den Öffentlichen auch nicht weniger als eine halbe Stunde in Anspruch nimmt.
Ich habe also mein Fahrrad schätzen gelernt, in den letzten Tagen, und umso härter trifft mich jetzt der Verzicht darauf. Der Hinterreifen ist verbogen - vermutlich aufgrund der Überwinterung im Freien - und auf Dauer stört das eben doch beim Fahren. Gestern vor der Uni brachte ich das Rad zu einem Fahrradladen in Zehlendorf, wo sich vorne schon eine ganze Schlange Fahrräder reihte. Bearbeitungszeit: eine Woche.

Jetzt bin ich wieder abhängig von den ungeliebten öffentlichen Verkehrsmitteln und sehne mir mein Fahrrad zurück. Hoffentlich regnet es den Rest der Woche, dann trifft mich der Verlust nicht ganz so hart.